1605 – 1836

Die Festlegung auf ein genaues Gründungsjahr ist für die meisten Schützengilden nicht immer einfach. Das gilt vor allem für die Jahrhunderte, von denen uns heute nur wenige schriftliche Quellen in den Archiven erhalten geblieben sind.
Die Schützenvereinigungen in der Zeit vor dem 30jährigen Krieg hatten -nach bislang vorliegenden Quellen und Erkenntnissen- verschiedene Aufgaben im politischen und religiösen Leben. Bei den Verteidigungsaufgaben stand in erster Linie die Verteidigung von Stadt und Hab und Gut der Bewohner im Vordergrund. Als Gruppe wurden sie zu militärischen Aufgaben herangezogen. Zur Sicherstellung der Einsatzbereitschaft wurden regelmäßig Schießübungen, z.T. mit einer Festfeier, abgehalten. In der Regel wurde dabei der beste Schütze ermittelt.
Auf der Basis einer allgemeinen religiösen Orientierung der Menschen dieser Zeit waren die Aktivitäten der Schützen auch in das religiöse Leben eingebunden. Als Nachfolger von Nachbarschafts-Gilden oder Bruderschaften übernahmen sie Aufgaben bei Prozessionen, Beerdigungen für verstorbene Mitglieder, Teilnahme an Festen des Orts- und/oder Schützenpatrons durch Kirchgang und Umzug. Die enge Bindung an Glauben und Kirche hatte viele Gilden veranlasst, sich nach Heiligen bzw. nach den Patronen der Kirche einer Bauernschaft oder Kapelle zu benennen. Die Gescheraner Gilde unterstellte sich dem Patrozinium der Pfarrkirche, dem Hl. Pankratius.
Neben den schriftlichen Quellen gibt es aber noch die Silberplaketten. die Zeugnisse ablegen. Bei genauen Untersuchungen zur Schützengeschichte Westfalens hat die Volkskundliche Kommission Münster auch unsere Schützenkette untersucht. Eine erste Einschätzung unserer undatierten Plaketten wies diese aufgrund der Form und der Darstellungen auf den Plaketten zum Ende des 16. Jahrhunderts hin.
Der 30Jährige Krieg (1618-48) und seine Folgen führten zum Niedergang vieler Schützengemeinschaften. Die Besatzung durch die Hessen mit Plünderungen führte auch in Gescher zu Verarmung, Not und Elend. Viele Jahre konnte keine Wehrübung und das damit verbundene Schützenfest ausgerichtet werden. Das für Gescher neu angelegte Bürgerbuch von 1651 berichtet, dass „durch die Hessischen, Kayserschen und sonsten allerhand Kriegswesen alles verloren und weggenommen worden“ ist. Einschließlich des Pastorats waren im Dorf Gescher 1648 noch neun Häuser bewohnt.

Die alte Schützenfahne von 1836 (heute im Schaukasten in der Volksbank Gescher eG)

Für die Zeit ab etwa 1650, als der münstersche Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen in Coesfeld auf der Ludgerusburg (1650-1678) residierte, ist die Aufrüstung der Schützen und Soldaten sowie die besondere Förderung der Schützengilden belegt. Ausgediente Offiziere der Landesmiliz wurden zur Wehrertüchtigung eingesetzt. Vielen Gilden wurde ein silberner Vogel vom Landesherrn gestiftet und das Vereinsleben mit Scheiben- oder Vogelschießen wieder eingeführt.
Für die frühen Jahre des 17. Jahrhunderts zeugen nur 3 Schilder der St. Pankratius Schützengilde für Gescher und 2 Plaketten an der Kette der St. Johannes Schützengilde in Gescher-Estern von Schützenfesten. Ab 1653 belegen Plaketten wieder die Aktivitäten der Gilden in Gescher.
Für den Zeitraum von 1616 bis 1695 sind in unserer Gilde 14 Plaketten erhalten. Für das folgende Jahrhundert sind 24 Plaketten erhalten. Von 1742 bis 1773 sind die Junggesellen weiterhin aktiv gewesen und die Alten setzen erst 1776 wieder ein.
Drei undatierte Plaketten aus dieser Zeit konnten aufgrund der Bürgerlisten eingeordnet werden.

Schützenfestplakat von 1892

Es wurde sicher nicht in jedem Jahr ein Schützenfest gefeiert, aber das Fehlen von weiteren Schützenschildern, aus der Zeit ab 1650 bis etwa 1800, ist  auch bei vielen Gilden auf den Verkauf des Silbers in Notzeiten zurückzuführen. Für die St. Pankratius Schützengilde Gescher bleibt das exakte Gründungsdatum im Dunkeln.

Der Königsthron von 1890

1900 – 1939

Um die Jahrhundertwende war der Pfarrer von St. Pankratius Augustin Hüsing dem Schützenwesen gegenüber sehr aufgeschlossen. Sein Interesse galt der Geschichte. Er sichtete die alten Kirchenbücher mit den Aufzeichnungen aus der Pfarrgemeinde Gescher. Mit diesen Forschungen legte er den Grundstein für die schriftlichen Nachweise zur Geschichte von Ort, Menschen und Vereinigungen aus Gescher. Zur Schützengeschichte St. Pankratius nahm er an, dass unsere Gilde von Fürstbischof Christoph Bernard von Galen, nach dem Dreißigjährigen Krieg, gegründet und somit etwa 250 Jahre alt sei.

Auf dem Schützenfest 1902 hielt Herr Pfarrer Hüsing einen Vortrag über seine Recherchen. Auf 12 gedruckten Seiten ist dieser Vortrag erhalten geblieben. Diese Aufzeichnungen legten den Grundstock für die 250 Jahrfeiern der St. Pankratius Schützengilde.
Der erste Weltkrieg ließ wieder alle Aktivitäten bis 1921 ruhen. Danach setzte die Tradition, das Fest nur jedes zweite Jahr zu feiern, wieder in Gang. In Vorbereitung auf das Fest 1928 stand die Abhaltung des 275jährigen Jubiläums im Gespräch. Erste Zeitungsberichte verweisen auf ein Jubiläum, doch in Anbetracht der schlechten wirtschaftlichen Lage kamen die Schützenbrüder zu dem Entschluss, diesen Geburtstag nicht vorzeitig zu begehen.
In dieser Zeit etwa kam Rektor Hüer nach Gescher. Der passionierte Heimatforscher stellte fest, dass die Gilde wesentlich älter war, als bisher angenommen. Unter anderem nahm Dr. Hüer sämtliche Schützenplaketten aus Gescher und den Bauerschaftsvereinen  in Augenschein. Weiterhin sichtete und fand er schriftliche Zeugnisse und Belege in verschiedenen Archiven. Auf seine Forschungen hin setzte man das Gründungsdatum auf 1605. Das war der Anlass, das Schützenfest im Jahr 1930 als 325jähriges Jubiläum zu halten. In der Festschrift 1930 ist neben der Schützengeschichte ein weiterer Aufsatz, der mit der Jagdgerechtigkeit des Dorfes Gescher befasst.

Auf der Wises von Bauer Remmelt 1936

Diese Plakette ist undatiert und keinem Stifter zuzuweisen. Sie erinnerte an die alte Jagdgerechtigkeit der Bürger hin, mit Hunden und Garnen im Kirchspiel zu jagen. Zur Zeit der Feudalherrschaft war das Jagen ein Privileg des Adels. Diese Besonderheit, die den Bürgern von Gescher verliehen worden war, verlängerte sich gegen die jährliche Zahlung eines Pfundes Pfeffer. Die dargestellte Uniform weist auf die Zeit des 18.Jahrhunderts hin. An der Rückseite des Schildes ist die Figur der hl. Magdalena mit vier Nieten wohl später befestigt worden. Auch diese Seite der Plakette trägt keinerlei Inschrift. Die hl. Magdalena ist die Mitpatronin unserer Pfarrkirche St. Pankratius und daher wohl auf dieser Plakette angebracht.

Zum letzten Fest vor dem II. Weltkrieg stellten sich die einzelnen Gruppen noch einmal dem Fotografen. Hier die Offiziere:

Das Offizierskorps 1938
Untere Reihe von links: Feldw. H      Lanfer, Oberlt. Heinrich Mester, Hptm. August Epping, Oberlt. Bernhard Dönnebrink, Adj. Franz Hessing, Oberst  Aloys Rüther,  Adj. Bernhard Feldmann, Major Josef Linsen, Adj.          König, Oberlt. Alex Dieker, Leutn. A         König, Feldw. Heinrich Klümper.
Obere Reihe von links:         Adj. Franz Grimmelt, Adj. Anton Ebbing, Fahnenoffiziere Hermann Vortkamp,                 Paschert, A         Vens, Adj.         Essling, Adj. Bernhard Schlüter.
Die großen Lücken bei der Bildunterschrift lassen die Vornamen frei, die uns leider noch nicht übermittelt wurden . Wir versuchen aber noch die Namen zu vervollständigen. Das Bild entstand vor der Villa Dr. Cohaus an der Hofstrasse.

Der zweite Weltkrieg unterbrach alle Aktivitäten der Schützengilden.

1948 – Ein neuer Anfang

Das Jahr 1948 markiert einSchlüsselerlebnis in der Geschiche der Gilde, den ab diesem Jahr wurden wieder Feste abgehalten und Anton Enk wurde der erste König nach dem 2. Weltkrieg. Das Vogelschießen sollte mit Pfeilen und einer Armbrust erfolgen. Die englische Besatzung hatte der deutschen Bevölkerung den Besitz und Gebrauch von Schusswaffen verboten. Nur mit Mühe hatten die Verantwortlichen der Gilde die Genehmigung ein Schützenfest abzuhalten bekommen. Es war ein Vogel aus Ton hergestellt worden und die Vogelstange wurde am Priesterwald aufgestellt.  Die Schützen mühten sich den Vogel von der Stange zu holen. Bei vielen Versuchen war der Vogel des Öfteren schon getroffen worden, aber der Vogel wurde nicht beschädigt. Dem anwesenden, englischen  Ortskommandanten Major Ball wurde die Situation erklärt. Man verwickelte ihn in Gespräche und schließlich erklärte Major Ball sich bereit, eine Ausnahme bei der Schießgenehmigung zu zu lassen. Eilig wurde eine nicht erlaubte Schrotflinte herbeigeholt und Anton Enk bekam das Recht auf den ersten Schuss. Der tönerne Vogel zerfiel wie Staub an der Stange.

Der 1. Thron nach dem 2. Weltkrieg: Anton Enk und Auguste Kruse

Zum Jubiläum 1955 überreichte das Amt Gescher der Gilde als Festgabe ein Buch. Dabei handelt es sich um ein in Schweinsleder gebundenes Buch mit annähernd 200 Seiten. Gedacht war das Geschenk für Zeichnungen, mit denen sich die Königspaare eintragen sollten. Da dieses Buch nur immer in die Hand der Könige gereicht worden war und danach wieder unter Verschluss kam, ist es vielen Schützen nicht bekannt. Im Laufe der letzten 50 Jahre ist das Buch zu einem Kleinod der Gilde geworden. Zum 400 jährigen Jubiläum 2005 sind die Bilder aus dem Königsbuch Bestandteil der neuesten Chronik.

Das Königsbuch der Gilde, ein absolutes Kleinod, in das sich jeder König seit 1955 einträgt
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